PAUSE

Wärmere Luft

Mehr Wasserdampf – mehr Extremwetter

Es ist eine einfache physikalische Tatsache: Je wärmer die Luft, desto mehr Wasserdampf kann sie aufnehmen. Und genau das passiert gerade – mit Folgen, die weit über „etwas mehr Regen“ hinausgehen.

Die Grundlage dafür liefert die Clausius-Clapeyron-Gleichung. Sie beschreibt, wie der Sättigungsdampfdruck von Wasser mit steigender Temperatur zunimmt. Näherungsweise gilt: Pro 1 Grad Erwärmung kann die Luft etwa 7 % mehr Wasserdampf halten. Das ist kein neuer Befund – er ist seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Fourier, Tyndall und Arrhenius legten die Grundlagen. 1967 bestätigten Manabe & Wetherald diese Zusammenhänge in einem der ersten Klimamodelle, und schon 1979 warnte der „Charney-Report“ vor den zu erwartenden Folgen.

Was bedeutet das in der Praxis?

Mehr Wasserdampf heißt mehr „Brennstoff“ für Regenwolken. Wenn dieser Wasserdampf kondensiert, wird enorme Wärme frei, die Stürme antreiben kann. Das führt zu heftigeren Niederschlägen, zu Sturzfluten, zu sintflutartigen Regengüssen – auch in Regionen, die solche Extreme bislang kaum kannten.

Diese Entwicklung ist weltweit messbar. Ob in Mitteleuropa, Nordamerika oder hier auf den Kanaren – Regenereignisse werden kürzer und intensiver. Die Folge: Straßen stehen schneller unter Wasser, Hänge rutschen ab, Kanäle laufen über. Zwischen diesen Extremregen gibt es oft längere Trockenphasen, weil die Wetterlagen träger werden. Das heißt: nassere Nässe, trockenere Trockenheit.

Mehr als nur ein Wetterproblem

Wasserdampf ist selbst ein starkes Treibhausgas. Das bedeutet: Je mehr sich die Erde erwärmt, desto mehr Wasserdampf steigt in die Luft – und desto stärker erwärmt sich die Erde weiter. Eine gefährliche Rückkopplung, die die ursprüngliche CO₂-bedingte Erwärmung zusätzlich verstärkt.

Für Menschen bedeutet das auch eine höhere Hitzebelastung. Warme, feuchte Luft erschwert die Abkühlung durch Schwitzen. An besonders heißen Tagen kann die Kombination aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit lebensgefährlich werden – auch ohne Rekordwerte im Thermometer.

Die Warnungen sind alt – und sie waren präzise

  • 1896: Svante Arrhenius berechnete erstmals, wie stark CO₂ das Klima erwärmen könnte – und dass Wasserdampf die Wirkung verstärkt.
  • 1967: Syukuro Manabe und Richard Wetherald entwickelten ein Klimamodell, das die Rolle von Wasserdampf detailliert einbezog.
  • 1979: Der Charney-Report der US-Nationalakademie warnte ausdrücklich vor 2 bis 3,5 Grad Erwärmung bei Verdopplung von CO₂ – fast exakt das, was aktuelle Modelle bestätigen.

Damals wurden diese Zahlen als theoretische Szenarien betrachtet. Heute sehen wir die Realität – direkt vor unserer Haustür.

Es geht nicht um „glauben“ – es geht ums Hinsehen

Wir können die Physik nicht überlisten. Wärmere Luft hält mehr Wasserdampf. Mehr Wasserdampf bedeutet mehr Energie im Wettersystem. Das heißt: intensivere Regenfälle, stärkere Stürme, größere Hitzebelastung. Und genau das passiert jetzt – sichtbar, messbar, belegbar.

Es liegt an uns, ob wir diese Entwicklungen ernst nehmen und uns anpassen – oder ob wir so tun, als gäbe es sie nicht. Doch das Klima lässt sich von Ignoranz nicht beeindrucken.

Quellen und weiterführende Informationen
  • Arrhenius, S. (1896): On the Influence of Carbonic Acid in the Air upon the Temperature of the Ground
  • Manabe, S. & Wetherald, R. (1967): Thermal Equilibrium of the Atmosphere with a Given Distribution of Relative Humidity
  • Charney, J. et al. (1979): Carbon Dioxide and Climate: A Scientific Assessment
  • IPCC, 6. Sachstandsbericht, Kapitel 8 und 11 (2021)
  • Deutscher Wetterdienst (DWD): Extremniederschläge und Klimawandel