PAUSE

InselMagazin - Beginn dieses Projekt auf Teneriffa

Vom Anzeiger zum InselMagazin

Ich habe das InselMagazin nicht gegründet, weil ich noch eine weitere Webseite brauchte. Davon gibt es wirklich genug. Es ist entstanden, weil ich nach Jahren im Gestalten, Schreiben, Korrigieren, Bauen und Wiederaufbauen einen Ort wollte, an dem Inhalt nicht zur Dekoration wird. Ich bin Gestalter, weil ich Ordnung im Kopf brauche. Und weil ich gelernt habe, dass Klarheit keine Stilfrage ist, sondern eine Form von Respekt.

Ich bin in einer klassischen Werbeagentur aufgewachsen. Geboren im kreativen Umfeld, zwischen Siebdruckrahmen, Letraset und dem Geruch von Farben, Lacken und Terpentin. Mein Vater führte ein Werbeatelier in Konstanz. Ich habe früh gelernt, wie Gestaltung funktioniert: Zuerst analog, später digital. Nicht als Theorie, sondern als Alltag: Form, Inhalt, Wirkung, Verantwortung.

Bevor ich 2004 nach Teneriffa gegangen bin, habe ich in Deutschland in klassischer grafischer Gestaltung gearbeitet und die frühen neuen Medien mitgemacht. Ich komme aus einer Zeit, in der Andrucke, Filme, Abgabetermine und Druckerei-Realität ganz normal waren. In den 1990ern kam der digitale Umbruch mit voller Wucht: Druckvorstufe, erste 2D- und 3D-Arbeiten, Webauftritte, technische Umwege, lange Tage und noch längere Nächte. Diese Jahre haben mich geprägt: Nicht nur handwerklich, sondern auch in der Haltung. Tempo ist verführerisch, aber es frisst Substanz. Wenn es nur noch um Oberfläche geht, bleiben Sinn, Kontext und Verantwortung schnell auf der Strecke.

Auf Teneriffa habe ich meinen Weg konsequent weitergezogen. 2004 entstand die Inselzeitung "Der Anzeiger Teneriffa", viele Jahre im Zweiwochenrhythmus, mit allem, was dazugehört: Layout, Anzeigen, Texte, Korrekturen, Produktion, Organisation. Oft war ich Gestalter, Redakteur, Fotograf und Endkontrolle in einer Person. Parallel dazu liefen Projekte vor Ort: Gestaltung für kleine Unternehmen, Tourismusbetriebe, Immobilien und Initiativen. Print und Web, immer mit dem Anspruch, dass Gestaltung nicht blendet, sondern trägt. Gerade in einer Umgebung, in der viele um Aufmerksamkeit kämpfen, ist Zurückhaltung kein Mangel, sondern eine Entscheidung. Orientierung ist manchmal wichtiger als Lautstärke.

2017 endete die Zeit des "Anzeigers". Krankheit und gesundheitliche Einschnitte haben mich gezwungen, vieles neu zu sortieren. Diese Phase war kein romantischer Neuanfang - eher eine Zäsur, bei der man merkt, wie schnell "selbstverständlich" zu "geht gerade nicht" wird. Kraft, Tempo und Belastbarkeit mussten neu verhandelt werden.

Und dann gab es Enttäuschungen, die ich nicht kleinreden werde, weil sie ausgerechnet auf Teneriffa passiert sind: Falsche Versprechungen, Ausnutzung, dieses leise Gift aus Halbwahrheiten, bei dem man erst später erkennt, dass Vertrauen als Schwäche gelesen wurde. Das gehört zu meiner Biografie.

Es hat mich nicht zynisch gemacht, aber genauer. Heute weiß ich sehr klar, mit wem ich arbeiten will, wofür ich meine Energie einsetze - und wofür nicht.

Aus dieser Mischung aus Pause, Bruch und innerer Neuordnung entstand langsam etwas Neues. 2019 habe ich die ersten Schritte gemacht, zunächst klein, zunächst pragmatisch. Aus der gedruckten Zeitung wurde ein digitales Format. Am Anfang war es ein einfacher Facebook-Auftritt, später eine eigene Struktur, eigene Domains, ein eigener Aufbau. Nicht als Trendreaktion, sondern als Konsequenz: Wenn ich Inhalte veröffentliche, sollen sie auffindbar, lesbar und nachvollziehbar sein. Ein Beitrag muss stehen können, ohne dass er von der nächsten Welle sofort überrollt wird.

So entstand das InselMagazin. Es ist kein "Magazin" im klassischen Sinne und keine Marke, die sich selbst feiert. Es ist mein Arbeitsraum für Inhalte: Ein Ort, an dem ich die Inseln so festhalte, wie ich sie wahrnehme - in Geschichten, historischen Linien, gesellschaftlichen Bruchstellen, Landschaften, Beobachtungen, manchmal auch in Reibung. Mich interessiert nicht das Postkarten-Teneriffa. Mich interessiert, was dahinter liegt: Was erklärt, warum etwas so ist, wie es ist. Und was passiert, wenn man stehenbleibt und genauer hinsieht.

Nach meiner Rückkehr nach Konstanz habe ich diesen Weg online fortgesetzt und neu geordnet. 2022 entstand der Neustart unter den Domains teneriffa-inselmagazin.de und inselmagazin-teneriffa.de. Seitdem arbeite ich kontinuierlich an Struktur, Lesbarkeit und einer Form, die auch komplexe Themen aushält. Ich habe in meinem Leben zu oft gesehen, wie Inhalte im schlechten Layout sterben, wie gute Informationen im falschen Aufbau unsichtbar werden, wie Wahrheit unter Tempo leidet. Deshalb ist das InselMagazin nicht nur Schreiben, sondern auch Aufbauarbeit: Kategorien, Rubriken, Subdomains, Navigation, Templates, technische Pflege. Alles mit dem Ziel, dass ein Text nicht nur geschrieben, sondern gefunden und verstanden wird.

Das InselMagazin ist dabei kein abgeschlossenes Produkt. Es ist ein wachsender Bestand an Inhalten, die ich auf eigene Art ordne. Manche Themen brauchen Tiefe, andere brauchen Klarheit in wenigen Sätzen. Manche Texte sind historisch, andere sind gegenwartsnah. Gemeinsam ist ihnen die Absicht: Keine hohle PR, keine Effekthascherei, keine aufgesetzte Laune. Ich schreibe nicht, um zu gefallen, sondern um etwas sauber darzustellen. Und ich halte meine Haltung bewusst sichtbar: Diskriminierende Inhalte haben hier keinen Platz, genauso wenig wie die reine Gewinnlogik, die alles zur Ware macht.

2025 habe ich in Konstanz meine Werbeagentur "Matlik-Design" neu gegründet.

Das ist kein Widerspruch zum InselMagazin, sondern die zweite Seite derselben Arbeit. Dort bündele ich Gestaltung für andere: Klare Webseiten, individuelle Lösungen, Print und digitale Medien. Reduziert, strukturiert, technisch solide. Das InselMagazin bleibt mein unabhängiger Ort. Matlik-Design ist die professionelle Dienstleistung für Menschen und Projekte, die nicht lauter, sondern klarer werden wollen.

Matlik-Design.de ►

Warum ich das InselMagazin weiterführe, ist am Ende einfach. Ich kenne die Mechanik der Oberfläche. Ich kenne die Verlockung der schnellen Schlagzeile. Und ich kenne den Unterschied zwischen Aufmerksamkeit und Verständnis. Gestaltung ist für mich Verantwortung: Gegenüber dem Inhalt, gegenüber der Wirkung, gegenüber den Menschen, die lesen. Ich glaube nicht an Perfektion, aber ich glaube an Sorgfalt. An saubere Struktur. An Sprache, die trägt. An Technik, die dient. Und an Inhalte, die nicht schreien müssen, um wichtig zu sein.

Das InselMagazin ist aus Erfahrung entstanden. Aus handwerklicher Arbeit, aus Brüchen, aus genauem Hinsehen. Und aus Momenten, in denen Vertrauen missbraucht wurde.

Ich habe geholfen, offen, schnell und ohne Absicherung, weil mir Zusammenarbeit und Fairness wichtig sind. Diese Gutmütigkeit wurde ausgenutzt. Das hat verletzt - nicht kurzfristig, sondern tief und nachhaltig.

Aus dieser Erfahrung ist etwas Neues gewachsen: Der klare Entschluss, Grenzen zu setzen, Verantwortung bei mir zu behalten und mich nicht mehr übergehen zu lassen. Das InselMagazin ist deshalb auch ein Ort der Selbstachtung.

Harald Matlik