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Was wir bewahren müssen

Der Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten auf den Kanarischen Inseln

Wenn ich auf den Kanarischen Inseln unterwegs bin – sei es beim Wandern durch dichte Lorbeerwälder, beim Beobachten von Vögeln in der Abenddämmerung oder beim Blick aufs offene Meer – wird mir jedes Mal bewusst, wie besonders dieses Fleckchen Erde ist. Die Natur hier ist nicht einfach nur schön – sie ist kostbar, verletzlich und in vielen Bereichen einzigartig auf der Welt.

Doch je mehr ich mich mit der Flora und Fauna der Kanaren beschäftige, desto klarer wird: Diese Vielfalt steht unter Druck. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sind bedroht, manche sogar vom vollständigen Verschwinden. In diesem Artikel möchte ich nicht nur die Bedrohungen aufzeigen, sondern auch teilen, welche Lösungen bereits existieren – und warum es so wichtig ist, dass wir alle Verantwortung übernehmen.

Bedrohungen für die Artenvielfalt – Was die Natur der Kanaren gefährdet

1. Der Verlust natürlicher Lebensräume

Was mich besonders bewegt, ist zu sehen, wie schnell sich Landschaften verändern. Neue Hotelanlagen, wachsende Städte, intensiv genutzte Landwirtschaft – sie nehmen Raum ein, den Tiere und Pflanzen zum Überleben brauchen.

Wenn ursprüngliche Wälder gerodet, Feuchtgebiete trockengelegt oder Küstenzonen verbaut werden, verlieren viele Arten ihren Lebensraum. Was dabei oft vergessen wird: Selbst kleinste Veränderungen können empfindliche Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen. Besonders schlimm ist die Fragmentierung – wenn Lebensräume in kleine Inseln zerschnitten werden, die den Austausch zwischen Populationen verhindern. Die genetische Vielfalt geht zurück, und damit sinkt die Widerstandsfähigkeit der Arten.

2. Invasive Arten: Ungebetene Gäste

Ein weiteres, oft unterschätztes Problem sind eingeschleppte Arten. Manche wurden absichtlich eingeführt, andere kamen zufällig – etwa mit Schiffen oder als Zierpflanzen. Auf den Kanaren fehlt es oft an natürlichen Feinden für diese neuen Arten, sodass sie sich ungehindert ausbreiten können.

Ein Beispiel, das mir bei meinen Recherchen begegnet ist, sind eingeführte Katzen und Ratten, die vor allem auf kleineren Inseln dramatische Auswirkungen auf die dort lebenden Bodenbrüter und Reptilien haben. Oder invasive Pflanzen, die einheimische Arten verdrängen und ganze Ökosysteme umkrempeln.

Die Bekämpfung dieser invasiven Arten ist aufwendig und teuer – aber absolut notwendig, wenn wir die ursprüngliche Vielfalt bewahren wollen.

3. Klimawandel: Eine schleichende Gefahr

Auch auf den Kanaren ist der Klimawandel längst angekommen. Es wird heißer, trockener, extremer. Besonders die hoch spezialisierten Arten, die nur in engen ökologischen Nischen existieren, sind von diesen Veränderungen betroffen.

Wenn Pflanzen oder Tiere ihren Lebensraum „verlieren“, weil sich Temperatur oder Niederschlag verändern, bleibt ihnen oft keine Ausweichmöglichkeit – vor allem auf Inseln. Der Klimawandel wirkt dabei wie ein Verstärker: Er macht bestehende Probleme schlimmer und lässt neue entstehen, die wir oft noch nicht einmal ganz verstehen.

Was bereits getan wird – und warum das Hoffnung macht

Zum Glück gibt es viele engagierte Menschen und Institutionen, die sich für den Erhalt der Natur einsetzen – auf wissenschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene. Und ich durfte selbst einige dieser Projekte kennenlernen.

Schutzgebiete und Nationalparks

Teneriffa zum Beispiel beeindruckt mich immer wieder mit seinem gut ausgebauten Netz an Naturparks, Reservaten und dem Teide-Nationalpark, der nicht nur ein Naturwunder, sondern auch UNESCO-Weltnaturerbe ist. Solche Gebiete schützen nicht nur Landschaften, sondern auch seltene Arten – vom endemischen Natternkopf bis zur kanarischen Eidechse.

Doch Schutzgebiete allein reichen nicht. Es braucht auch aktive Betreuung, Monitoring, Umweltbildung – und klare gesetzliche Rahmenbedingungen, die wirklich durchgesetzt werden.

Artenschutz- und Wiederansiedlungsprojekte

Einige bedrohte Tierarten der Kanaren werden inzwischen gezielt geschützt oder wieder angesiedelt. Das bekannteste Beispiel ist wohl der Kanarengimpel (Serinus canaria), der auf La Palma durch Schutzmaßnahmen vor dem Aussterben bewahrt wurde.

Andere Projekte kümmern sich um bedrohte Reptilien, Seevögel oder die Wiederherstellung zerstörter Pflanzenlandschaften – etwa durch das Ausbringen von Samen einheimischer Arten oder die Entfernung invasiver Pflanzen.

Forschung und Überwachung

Wissenschaftliche Institute auf den Kanaren leisten Pionierarbeit: Sie untersuchen das Verhalten bedrohter Arten, analysieren Umweltveränderungen und entwickeln Frühwarnsysteme. Besonders beeindruckend finde ich die Citizen-Science-Initiativen, bei denen auch Laien helfen können, Daten zu erfassen – zum Beispiel bei Vogelzählungen oder Strandmonitoring.

Einbindung der Menschen

Einer der schönsten Aspekte ist für mich die Einbindung der Bevölkerung. In Schulen, auf Märkten, in Museen – überall gibt es Projekte, die Menschen sensibilisieren. Denn: Nur was man kennt, schützt man auch.

Auch Touristen können Teil der Lösung sein – indem wir auf unseren Wegen achtsam sind, nichts mitnehmen außer Eindrücken, und Angebote nutzen, die nachhaltig wirtschaften.

Was noch getan werden muss – und was wir selbst tun können

Trotz aller Fortschritte braucht es noch viel mehr. Die Herausforderungen wachsen – und wir müssen schneller und entschlossener handeln.

Was helfen würde:
  • Stärkere Finanzierung für Schutzprojekte und wissenschaftliche Programme
  • Klare gesetzliche Regelungen, besonders zum Umgang mit invasiven Arten
  • Verbindliche Umweltstandards im Tourismus- und Landwirtschaftssektor
  • Internationale Zusammenarbeit, etwa im Schutz wandernder Tierarten
  • Bewusstseinsbildung, die über bloße Information hinausgeht und Menschen wirklich berührt
  • Und ja – auch wir als Einzelne können etwas beitragen. Achtsam reisen. Fragen stellen. Lokale Initiativen unterstützen. Nicht gleichgültig wegschauen, wenn Natur verschwindet.
Es ist noch nicht zu spät!

Die Kanarischen Inseln sind für mich ein Ort der Inspiration – aber auch ein Ort, an dem ich Verantwortung gespürt habe. Die Schönheit dieser Landschaften ist kein Selbstverständnis. Sie ist das Ergebnis von Jahrtausenden natürlicher Entwicklung – und von unserem heutigen Handeln abhängig.

Der Schutz bedrohter Arten ist keine Pflichtübung. Es ist eine Liebeserklärung an das Leben selbst.
Und vielleicht liegt genau darin unsere Hoffnung: dass wir beginnen, wieder zu fühlen, was es zu verlieren gäbe – und entsprechend handeln.

Quellen und weiterführende Informationen
  • Gobierno de Canarias – Biodiversidad: www.biodiversidadcanarias.es
  • SEO/BirdLife Canarias – Schutz von Vogelarten: www.seo.org
  • RedPROMAR – Netzwerk zur Beobachtung der Meeresbiodiversität: www.redpromar.org
  • WWF Spanien – Projekte auf den Kanarischen Inseln: www.wwf.es
  • Museo de la Naturaleza y Arqueología (MUNA), Teneriffa: www.museosdetenerife.org
  • IUCN Red List of Threatened Species: www.iucnredlist.org