Giftige Insekten und Spinnen auf den Kanaren


Die Kanarischen Inseln gelten im Vergleich zu vielen anderen Regionen der Welt als ausgesprochen artenarm in Bezug auf für den Menschen gefährliche Insekten und Spinnen. Dennoch existieren einige wenige Arten mit medizinisch relevantem Gift oder schmerzhaften Abwehrmechanismen. Entscheidend ist dabei nicht Panik, sondern Einordnung: Die meisten Begegnungen sind harmlos, ernste Verläufe sind selten.
Spinnen mit medizinischer Relevanz
Braune Einsiedlerspinne (Loxosceles rufescens)
Die braune Einsiedlerspinne ist die einzige Spinnenart auf den Kanaren, deren Gift in Einzelfällen zu ernsthaften Hautreaktionen führen kann. Ihr Biss kann ein sogenanntes nekrotisches Syndrom (Loxoscelismus) auslösen, tritt jedoch äußerst selten auf.
Vorkommen nach Inseln
- Teneriffa (vereinzelt, vor allem in Gebäuden)
- Gran Canaria
- La Palma
- Fuerteventura
- El Hierro
Die Art lebt versteckt, ist nachtaktiv und nicht aggressiv. Bisse geschehen fast ausschließlich bei direktem Körperkontakt, etwa beim Greifen in dunkle Ecken, Kartons oder Kleidung.
Schwarze Witwe (Latrodectus tredecimguttatus)
Die mediterrane Schwarze Witwe besitzt ein neurotoxisches Gift, das starke Schmerzen und Muskelkrämpfe verursachen kann. Lebensbedrohliche Verläufe sind extrem selten, medizinische Abklärung ist bei Verdacht jedoch notwendig.
Vorkommen nach Inseln
- Fuerteventura (trocken-warmer Lebensraum)
- Lanzarote
- Gran Canaria (sehr selten)
Bevorzugt trockene, steinige Habitate. Begegnungen sind selten und fast immer unbeabsichtigt.
Falsche Witwe (Steatoda nobilis)
Die Falsche Witwe wird häufig mit der Schwarzen Witwe verwechselt. Ihr Gift ist deutlich schwächer, kann aber lokal schmerzhaft sein und Schwellungen verursachen.
Vorkommen nach Inseln
- Teneriffa
- Gran Canaria
- Lanzarote
- La Palma
Sie ist zunehmend an menschliche Siedlungen angepasst, medizinisch jedoch meist unproblematisch.
Die schwarze Kreuzspinne im Norden Teneriffas
Argiope bruennichi
Die auffällige schwarze Kreuzspinne, die im Norden Teneriffas und in höheren, feuchteren Lagen regelmäßig in Gärten, an Wegen und in Vegetation zu sehen ist, ist in der Regel keine gefährliche Art.
Es handelt sich fast immer um eine Kreuzspinne der Gattung Argiope, meist Argiope bruennichi oder eine nahe verwandte Art.
Einordnung
- Groß, kontrastreich gefärbt, auffälliges Netz mit Zickzack-Struktur
- Gift für Menschen medizinisch unbedeutend
- Biss extrem selten, nur bei massivem Bedrängen
Diese Spinnen sind wichtige Nützlinge und regulieren Insektenpopulationen. Ihr Vorkommen in höheren Lagen korreliert mit höherer Luftfeuchte und dichter Vegetation.
Weitere potenziell schmerzhafte Gliederfüßer
Hundertfüßer (Scolopendra-Arten)
Hundertfüßer sind keine Insekten, werden aber häufig mit ihnen verwechselt. Ihr Biss ist schmerzhaft, jedoch selten gefährlich.
Vorkommen
- Teneriffa
- Gran Canaria
- La Palma
- La Gomera
Raupen mit Brennhaaren (z.B. Kiefern-Prozessionsspinner)
Die Brennhaare dieser Raupen können starke Haut- und Atemwegsreizungen verursachen. Besonders relevant in Kieferngebieten.
Vorkommen
- Teneriffa
- Gran Canaria
- La Palma
Zusammenfassung nach Inseln
Teneriffa
- Loxosceles rufescens (selten, Gebäude)
- Steatoda nobilis
- Argiope-Arten (harmlos)
- Scolopendra-Arten
- Prozessionsspinner (regional)
Gran Canaria
- Loxosceles rufescens
- Steatoda nobilis
- Latrodectus tredecimguttatus (sehr selten)
- Scolopendra-Arten
Fuerteventura und Lanzarote
- Latrodectus tredecimguttatus
- Loxosceles rufescens
- Steatoda nobilis
Westinseln (La Palma, La Gomera, El Hierro)
- Loxosceles rufescens (vereinzelt)
- Scolopendra-Arten
- Argiope-Arten (harmlos)