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Aktualisiert am 09.12.2025

Teneriffas Naturwunder

Ein Einblick in die einzigartige Flora, Fauna und Meereswelt der Insel

Teneriffa ist ein echtes Paradies für Naturbegeisterte. Mitten im Atlantik, vor der nordwestlichen Küste Afrikas gelegen, findest du hier eine beeindruckende Vielfalt an Landschaften – von sonnigen Küsten und fruchtbaren Tälern bis zu nebelverhangenen Wäldern und schroffen Hochgebirgen.

Diese geologische und klimatische Vielfalt hat zur Entstehung eines außergewöhnlichen natürlichen Reichtums geführt. Viele Pflanzen- und Tierarten kommen nur auf Teneriffa oder auf den Kanaren vor – sie sind endemisch und weltweit einzigartig. Die Insel ist damit nicht nur ein Schatzkästchen der Biodiversität, sondern auch ein lebendiges Labor für Evolution und Anpassung.

Flora Teneriffas

Pflanzenvielfalt zwischen Vulkangestein und Nebelwald

Die Pflanzenwelt Teneriffas spiegelt die extreme Vielgestaltigkeit der Insel wider. Rund 800 endemische Arten wurden auf den Kanaren beschrieben – viele davon wachsen ausschließlich auf Teneriffa.

Einige der auffälligsten Pflanzenarten sind:

  • Drachenbaum (Dracaena draco): Ein urzeitlich wirkender Baum mit verzweigter Krone und rotem Harz („Drachenblut“), der zum Symbol der Insel geworden ist.
  • Kanarische Kiefer (Pinus canariensis): Ein robuster Nadelbaum mit langer Überlebensgeschichte, der Waldbrände übersteht und Wasser aus der Luft gewinnt.
  • Teneriffa-Natternkopf (Echium wildpretii): Eine Pflanze mit einem bis zu zwei Meter hohen Blütenstand aus leuchtend roten Blüten – einzigartig im Hochgebirge.
  • Kanarische Glockenblume (Canarina canariensis): Mit ihren glockenförmigen, orangefarbenen Blüten klettert sie durch die feuchten Wälder der mittleren Höhenlagen.
  • Aeonium undulatum: Eine sukkulente Schönheit mit gewellten Rosettenblättern, die sich in trockenen Felsnischen wohlfühlt.
Vegetationszonen nach Höhenstufen

Je höher du auf Teneriffa wanderst, desto stärker verändert sich die Vegetation. Die Insel lässt sich grob in fünf Zonen gliedern:

  1. Küstenregion (0–300 m):
    Trocken, sonnig, mit Sukkulenten und Wolfsmilchgewächsen
    Beispiel: Euphorbia balsamifera, E. canariensis, Ceropegia dichotoma
  2. Trockenzone (300–700 m):
    Übergang mit duftenden Sträuchern, Zistrosen, Lavendel
  3. Mittlere Höhen (700–1500 m):
    Feuchte Lorbeerwälder mit Farnen, Moosen und Relikten aus dem Tertiär
    Heimat der Stechpalme, Laurel-Bäume, Orchideen
  4. Kiefernwälder (1200–2000 m):
    Fast reine Bestände der Kanarischen Kiefer – widerstandsfähig und feuerresistent
  5. Hochgebirge (über 2000 m):
    Vulkanlandschaften rund um den Teide mit Pionierpflanzen wie dem Teide-Veilchen und Natternköpfen

Fauna Teneriffas

Endemische Tiere – Überlebenskünstler der Insel

Auch die Tierwelt Teneriffas ist geprägt von Isolation, Anpassung und Vielfalt. Besonders auffällig sind die zahlreichen Reptilien, Vögel und Wirbellosen, die nur hier vorkommen.

Auffällige Tierarten auf Teneriffa:

  • Teneriffa-Eidechse (Gallotia galloti): In verschiedenen Färbungen anzutreffen – je nach Region, Alter und Geschlecht.
  • Kanareneidechse, Kanarenskink, Mauergecko – typische Reptilien der Insel
  • Hypsugo savii canariensis – eine endemische Fledermaus, die Höhlen und Vulkanröhren bewohnt
  • Hemicycla bidentalis – eine seltene, endemische Schnecke
  • Amicta cabrerai – eine flügellose Motte, die ihr ganzes Leben in einer Pflanze verbringt
Die Vogelwelt der Insel

Die Vogelfauna Teneriffas ist ebenso reich wie einzigartig. Besonders in den Wäldern und Bergen begegnen dir viele endemische oder kanarenspezifische Arten:

  • Kanarenpieper (Anthus berthelotii) – häufiger Bodenbrüter mit melodischem Gesang
  • Kanarengirlitz (Serinus canaria) – der wilde Urahn des bekannten Kanarienvogels
  • Blaumeise der Kanaren (Cyanistes teneriffae) – kleiner, lebhafter Waldvogel
  • Lorbeertaube (Columba junoniae) – selten, scheu und auf Lorbeerwälder beschränkt
  • Turmfalken, Segler, Schwalben – vor allem in Felsregionen und über Schluchten

Die Vogelvielfalt spiegelt die unterschiedlichen Lebensräume wider – von Küste über Kiefernwald bis ins Hochland.

Leben im Atlantik: Die Meereswelt Teneriffas

Nicht nur an Land, auch unter Wasser ist Teneriffa ein Ort voller Leben. Die umliegenden Gewässer zählen zu den artenreichsten im Atlantik und sind besonders tief – mit Steilabfällen, Unterwasserhöhlen und vulkanischem Gestein.

Zu den auffälligsten Meeresbewohnern gehören:

  • Pilotwale (Globicephala macrorhynchus) – ganzjährig zwischen Teneriffa und La Gomera
  • Große Tümmler – neugierig, verspielt, oft nahe der Küste
  • Pottwale, Orcas, gelegentlich Blauwale – während der Wanderzeiten
  • Meeresschildkröten, v. a. Caretta caretta (Unechte Karettschildkröte)
  • Papageienfische, Zackenbarsche, Barrakudas, Muränen, Rochen
  • In flachen Küstenzonen: Seeigel, Seesterne, Tintenfische, Nacktschnecken

Auch Korallenarten, Anemonen, Schwämme und planktonische Organismen sind hier heimisch und bilden die Grundlage des marinen Lebens.

Naturschutz auf Teneriffa

Schutzgebiete und Nationalparks

Ein großer Teil der Insel steht heute unter Schutz. Besonders hervorzuheben:

  • Teide-Nationalpark (UNESCO-Weltnaturerbe) – Hochgebirgszone mit einzigartiger Flora
  • Anaga-Biosphärenreservat – ein Paradies für Wandernde und Botaniker
  • Teno-Gebirge, Chinyero-Vulkan, Monte del Agua – wertvolle Rückzugsorte für bedrohte Arten
Forschung und Monitoring

Forschungszentren, Universitäten und NGOs arbeiten gemeinsam an Themen wie:

  • Klimawandel und Höhenzonenverschiebung
  • Bekämpfung invasiver Arten
  • Genetische Studien an endemischen Pflanzen und Tieren
  • Monitoring seltener Vogelarten und Reptilien

Ziel ist es, frühzeitig Veränderungen zu erkennen und Schutzstrategien anzupassen.

Aufklärung und lokale Einbindung

Ein nachhaltiger Naturschutz ist nur mit der Beteiligung der Bevölkerung möglich. Deshalb gibt es:

  • Schulprojekte, Lehrpfade, Besucherzentren
  • Ökotourismus-Initiativen mit geführten Naturwanderungen
  • Walbeobachtungsangebote mit Umweltstandards
  • Unterstützung durch lokale Behörden, z. B. bei der Wiederaufforstung
Ein lebendiger Schatz

Teneriffas Natur ist ein einzigartiges Mosaik aus geologischer Geschichte, evolutionärer Vielfalt und ökologischer Sensibilität. Jede Pflanze, jedes Tier – ob auf dem Berggipfel oder tief im Ozean – erzählt eine Geschichte von Anpassung, Überleben und Schönheit.

Es liegt an dir – als Reisender, als Naturfreundin, als Bewohner*in – diesen Schatz zu respektieren und zu bewahren. Mit Aufmerksamkeit, Wissen und Wertschätzung trägst du dazu bei, dass die Vielfalt Teneriffas auch zukünftige Generationen begeistern kann.

Quellen und weiterführende Informationen
  • Gobierno de Canarias – Medio Ambiente: www.gobiernodecanarias.org/medioambiente
  • Parque Nacional del Teide: www.reservasparquesnacionales.es
  • SEO/BirdLife Canarias – Vogelmonitoring und Schutzprogramme
  • Museo de la Naturaleza y Arqueología (MUNA), Santa Cruz de Tenerife
  • Fundación Telesforo Bravo – Umweltbildung und Forschung
  • Bramwell, D. & Z. (2001): Wild Flowers of the Canary Islands
  • Schönfelder, P. (2011): Pflanzenführer Kanarische Inseln