Der längste Schatten der Welt?

Der Teide ist 3.715 Meter hoch – damit der höchste Berg Spaniens und der höchste Inselvulkan im Atlantik. Schon das allein wäre eine Randnotiz wert. Aber was ihn wirklich bemerkenswert macht, ist etwas anderes: Sein Schatten. Genauer gesagt – sein Meeresschatten.
Denn unter bestimmten Bedingungen wirft der Teide einen riesigen, dreieckigen Schatten über den Atlantik. Und dieser Schatten soll der größte seiner Art auf der Welt sein.
Stimmt das?
Tatsächlich: Ja. Die Kombination aus Höhe, geografischer Lage und freier Sicht in alle Richtungen sorgt dafür, dass der Schatten des Teide bei Sonnenuntergang (vor allem im Winter) über mehrere hundert Kilometer weit über das Meer reichen kann. Ohne dass andere Berge ihn abfangen.
Was dabei auffällt: Die Form ist fast perfekt symmetrisch – ein klares Dreieck, das sich langsam über das Wasser schiebt. Das liegt nicht am Berg selbst, sondern am Blickwinkel der tief stehenden Sonne, der jede Erhebung zu einem Kegel verzerrt. Trotzdem: Der Effekt ist ungewöhnlich deutlich, selbst aus großer Entfernung.
Andere hohe Berge werfen ebenfalls lange Schatten, etwa der Mauna Kea auf Hawaii oder der Mount Rainier in den USA. Auch der Everest natürlich – aber dort ist das Gebirge dicht, die Konturen verschwimmen.
Der Teide steht allein. Und das macht seinen Schatten sichtbar.
Muss man das wissen? Nicht unbedingt. Aber es erinnert daran, wie viele Phänomene es gibt, die nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen sichtbar werden – wenn Position, Perspektive und Timing stimmen. Vielleicht ist es genau das, was diesen Schatten so interessant macht: Er entsteht nicht einfach, er ergibt sich. Und genau darin liegt sein Reiz.