Guayota - Teide, Feuer und die Logik der Angst

Der Teide ist nicht nur der höchste Berg Spaniens. Er ist ein Ort, an dem sich Landschaft, Macht und Vorstellung überlagern. Für die Guanchen war der Vulkan kein Naturereignis, sondern ein Gegenüber. Sein Name war Guayota.
Guayota verkörpert in den Überlieferungen die zerstörerische Kraft der Erde. Er lebt im Inneren des Teide und macht sich bemerkbar durch Rauch, Feuer und Beben. Diese Beschreibung ist weniger Mythos als Deutung: Eine Gesellschaft ohne geologische Erklärungsmodelle musste das Unkontrollierbare in Beziehung setzen, um es ertragen zu können.
Der Teide als religiöser Ort
Archäologisch ist der Teide-Nationalpark kein dicht besiedelter Raum, wohl aber ein symbolisch aufgeladener. Funde von Tierknochen, Keramikfragmenten und möglichen Opferplätzen auf alten Lavafeldern wurden bereits früh dokumentiert. Sie werden vorsichtig als rituelle Handlungen interpretiert, die nicht Verehrung, sondern Einordnung zum Ziel hatten.
Guayota steht damit nicht für moralisches Böse, sondern für eine notwendige Gegenkraft. Zerstörung war Teil der Ordnung. Ohne sie kein Neubeginn, kein fruchtbarer Boden, kein Leben.
Angst als Wissen
Die Legende von der Entführung der Sonne durch Guayota erklärt nicht nur Sonnenfinsternisse, sondern beschreibt einen Erfahrungsraum: Angst vor dem Kontrollverlust. Diese Angst wurde nicht verdrängt, sondern erzählt. Guayota wurde benannt, lokalisiert und begrenzt - eingeschlossen im Vulkan.
Quellen und archäologische Studien
- Cuscoy, Luis Diego: Los guanches - vida y cultura del pueblo aborigen de Tenerife.
- Teide-Nationalpark: Archäologische Inventare, Gobierno de Canarias.
- Farrujia de la Rosa, José A.: Studien zur Interpretation vorspanischer Religionen.