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Der Atlantik

...rund um die Kanarischen Inseln – Fakten, Strömungen, Tiefen und Leben

Wenn Du auf Teneriffa oder einer der anderen Kanarischen Inseln am Strand stehst und aufs Meer blickst, dann schaust Du auf einen der wichtigsten Ozeane der Welt – den Atlantik. Er ist nicht nur schön anzusehen, sondern spielt auch eine zentrale Rolle für das Klima, die Tierwelt und das tägliche Leben auf den Inseln.

Geografische Lage und Bedeutung

Die Kanarischen Inseln liegen im östlichen Zentralatlantik, etwa 100 bis 500 km westlich der marokkanischen Küste. Sie bestehen heute aus acht Hauptinseln sowie mehreren kleineren Eilanden und gehören zur Makronesischen Inselgruppe.

Geologisch gesehen sind sie vulkanischen Ursprungs und liegen auf dem afrikanischen Kontinentalschelf. Das erklärt auch die teils extremen Meeresbodentiefen, die bereits wenige Kilometer vor der Küste beginnen.

Meeresströmungen: Nordäquatorialstrom & Kanarenstrom

Zwei große Meeresströmungen prägen die Gewässer rund um die Kanaren:
  • Der Nordäquatorialstrom bringt warmes Wasser aus dem tropischen Atlantik westwärts – in Richtung Karibik.
  • Der Kanarenstrom, ein Ableger des Golfstromsystems, fließt entlang der nordwestafrikanischen Küste nach Süden – also in entgegengesetzter Richtung. Er bringt kühleres Wasser aus nördlicheren Breiten zu den Inseln.

Durch diese Kombination entsteht eine stabile Temperaturbalance, die sowohl das Meeresklima als auch die Artenvielfalt positiv beeinflusst.

Auftriebssystem (Upwelling) – nährstoffreiches Wasser

Besonders spannend ist das sogenannte Upwelling-System: Durch Passatwinde wird das warme Oberflächenwasser von der Küste weggetrieben, und kühleres, nährstoffreiches Tiefenwasser steigt auf. Dieses Phänomen tritt vor allem vor den östlichen Inseln wie Lanzarote oder Fuerteventura auf.

Das sorgt für hohe biologische Produktivität: Phytoplankton wächst rasant, Fische und andere Meerestiere folgen. Daher sind diese Gewässer bei Fischern, Tauchern und Meeresbiologen gleichermaßen beliebt.

Wassertemperaturen: Ganzjährig mild

Die durchschnittlichen Wassertemperaturen rund um die Kanaren:

  • Sommer: 22–25 °C
  • Winter: 18–21 °C

Diese vergleichsweise stabilen Werte verdanken wir dem Zusammenspiel der Strömungen, der geografischen Lage und dem Einfluss des Passatwindgürtels. Es ist nie zu kalt zum Schwimmen – ein Grund, warum Wassersport auf den Kanaren das ganze Jahr über möglich ist.

Meerestiefen und Geologie

Direkt vor der Küste fällt der Meeresboden oft steil ab. Schon wenige Kilometer vom Land entfernt beginnt der Tiefsee-Bereich.

  • Durchschnittliche Tiefe: ca. 2000–3000 Meter
  • Maximal: über 4000 Meter, z. B. im Bereich des Kanarischen Grabens südwestlich von La Palma und El Hierro.

Diese Tiefseezonen sind für die Forschung von großem Interesse. Sie beherbergen seltene Lebensformen und könnten in Zukunft auch für Tiefseebergbau relevant werden – ein umstrittenes Thema.

Biodiversität: Artenvielfalt im Atlantik

Die Kanarischen Inseln liegen in einer Übergangszone zwischen gemäßigtem und tropischem Atlantik – das spiegelt sich auch in der Tierwelt wider:

  • Mehr als 700 Fischarten, darunter Papageienfische, Barrakudas, Zackenbarsche
  • 28 Wal- und Delfinarten, darunter Pilotwale, Pottwale und sogar Orcas
  • Meeresschildkröten, z. B. die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta)
  • Korallen und Schwämme in den Tiefseezonen

Viele dieser Arten sind geschützt, und die Gewässer rund um Teneriffa gelten als eines der besten Whale-Watching-Gebiete Europas.

Der Atlantik rund um die Kanarischen Inseln ist ein komplexes und faszinierendes Ökosystem. Strömungen, Tiefen und Temperaturen wirken zusammen und schaffen eine Umgebung, die einzigartig in Europa ist – sowohl für Forscher als auch für Naturliebhaber, Wassersportler und Urlauber.

Wenn Du das nächste Mal ins Meer steigst oder aufs Wasser hinausschaust, weißt Du: Da draußen passiert mehr, als man auf den ersten Blick sieht.