Vulkanisches Erbe im Atlantik

Die Kanarischen Inseln liegen im Atlantik, etwa 1.300 Kilometer südwestlich vom spanischen Festland und rund 100 Kilometer vor der Nordwestküste Afrikas. Geologisch gehören sie zur afrikanischen Kontinentalplatte, politisch zur Autonomen Gemeinschaft Spaniens. Die Inselgruppe besteht aus sieben Hauptinseln und mehreren kleineren Nebeninseln und Felsen – alle vulkanischen Ursprungs.
Die Vielfalt der Inseln ist einzigartig: von üppig grün bis wüstenartig karg, von still und abgeschieden bis stark frequentiert. Jede Insel hat ihren eigenen Charakter, ihre Geschichte, ihre Flora und Fauna. Im Folgenden beschreibe ich alle Kanarischen Inseln mit den wichtigsten Informationen zu Geografie, Geschichte, Natur, Besonderheiten – und weiterführenden Links zu offiziellen Informationsquellen.
Teneriffa
- Fläche: 2.034 km²
- Hauptstadt: Santa Cruz de Tenerife
- Bevölkerung: ca. 930.000
- Politik: Sitz der Kanarischen Regierung (im Wechsel mit Las Palmas)
Geschichte
Die Ureinwohner, die Guanchen, besiedelten Teneriffa vermutlich ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. Ihre Kultur wurde nach der Eroberung durch die Kastilier im Jahr 1496 fast vollständig ausgelöscht. Archäologische Funde und Museen geben heute einen Einblick in ihre Lebensweise.
Natur und Umwelt
Der Teide (3.718 m) ist Spaniens höchster Berg und dominiert das Landschaftsbild. Rund um ihn liegt der Teide-Nationalpark mit endemischen Pflanzen wie der roten Tajinaste. Im Norden wachsen Lorbeerwälder, der Süden ist eher trocken und wüstenartig.
Besonderheiten
Die Altstadt von La Laguna gehört zum UNESCO-Welterbe. Der Karneval von Santa Cruz ist international bekannt. Das Observatorium auf dem Teide ist ein bedeutender Standort für astronomische Forschung.
Weiterführende Informationen
- Museo de la Naturaleza y Arqueología (MUNA): www.museosdetenerife.org
- Nationalpark Teide – Verwaltung: www.reservasparquesnacionales.es
- Teneriffa Umwelt & Ökotourismus: www.tenerife.es/portalcabtfe/es/medioambiente
- Offizielles Tourismusportal: www.webtenerife.com
Fuerteventura
- Fläche: 1.658 km²
- Hauptstadt: Puerto del Rosario
- Bevölkerung: ca. 120.000
Geschichte
Fuerteventura gilt als die älteste Insel der Kanaren. Die Ureinwohner, die Mahos, hatten vermutlich nordafrikanische Wurzeln. Nach der spanischen Eroberung im 15. Jahrhundert blieb die Insel über Jahrhunderte landwirtschaftlich geprägt.
Natur und Umwelt
Die Insel ist trocken, mit langen Sandstränden, Dünenlandschaften und kaum natürlicher Vegetation. Wichtige Schutzgebiete sind die Dünen von Corralejo und der Naturpark Jandía. Die Ziegenhaltung prägt das Landschaftsbild bis heute.
Besonderheiten
Fuerteventura ist ein Paradies für Wassersport. Besonders beliebt sind Windsurfen und Kitesurfen im Norden. Der Majorero-Ziegenkäse ist ein geschütztes Produkt mit Herkunftsbezeichnung.
Weiterführende Informationen
- Biosphärenreservat Fuerteventura: www.fuerteventurabiosfera.org
- Offizielles Tourismusportal: www.visitfuerteventura.com
- Geoparks & Schutzgebiete: www.geoparques.es
Gran Canaria
- Fläche: 1.560 km²
- Hauptstadt: Las Palmas de Gran Canaria
- Bevölkerung: ca. 870.000
Geschichte
Die Ureinwohner, die Canarii, besiedelten die Insel schon früh. Las Palmas wurde 1478 gegründet und war eine wichtige Station auf dem Weg nach Amerika. Die Kolonialgeschichte ist in der Altstadt gut erhalten.
Natur und Umwelt
Gran Canaria wird als „Miniaturkontinent“ bezeichnet. Die Insel vereint Dünen, Gebirge, Vulkankessel und dichte Wälder. Über 40 % der Fläche stehen unter Naturschutz.
Besonderheiten
Die Dünen von Maspalomas gehören zu den bekanntesten Naturwundern der Kanaren. In den Bergen liegen traditionelle Dörfer wie Tejeda und Artenara.
Weiterführende Informationen
- Offizielle Seite Gran Canaria: www.grancanaria.com
- Biosphärenreservat Gran Canaria: www.biosgran.org
- Kanarischer Tourismusverband: www.holaislascanarias.com
Lanzarote
- Fläche: 846 km²
- Hauptstadt: Arrecife
- Bevölkerung: ca. 155.000
Geschichte
Die Insel wurde im 15. Jahrhundert erobert. Besonders prägend war der Künstler César Manrique, der nachhaltige Architektur mit der Vulkanlandschaft verband. Große Teile der Insel wurden im 18. Jahrhundert durch Vulkanausbrüche geformt.
Natur und Umwelt
Die Insel ist Teil eines UNESCO-Biosphärenreservats. Besonders bekannt ist der Nationalpark Timanfaya mit seinen schwarzen Lavafeldern. Landwirtschaft wird in den Vulkanaschen betrieben – unter anderem der Weinbau in La Geria.
Besonderheiten
Dank César Manrique blieb die Insel frei von Hochhäusern und Bausünden. Sehenswerte Orte sind unter anderem die Jameos del Agua und der Mirador del Río.
Weiterführende Informationen
- Fundación César Manrique: www.fcmanrique.org
- Timanfaya Nationalpark: www.reservasparquesnacionales.es
- Biosphärenreservat Lanzarote: www.lanzarotebiosfera.org
- Offizielles Tourismusportal Lanzarote: www.turismolanzarote.com
La Palma
- Fläche: 708 km²
- Hauptstadt: Santa Cruz de La Palma
- Bevölkerung: ca. 83.000
Geschichte
Die Insel war Heimat der Benahoaritas, die sich bei der Eroberung 1493 erbittert wehrten. La Palma wurde später ein wichtiges Zentrum für Zuckerrohrhandel und Astronomie. Der Ausbruch des Vulkans Cumbre Vieja 2021 veränderte das Landschaftsbild dauerhaft.
Natur und Umwelt
Der Nationalpark Caldera de Taburiente ist ein tiefer Erosionskrater mit Wasserläufen, Schluchten und Kiefernwäldern. La Palma gilt als eine der grünsten Kanarischen Inseln.
Besonderheiten
Die Insel ist ein anerkanntes „Starlight-Reserve“. Das Observatorium auf dem Roque de los Muchachos gehört zu den besten der Welt.
Weiterführende Informationen
- Biosphärenreservat La Palma: www.reservabiosferalapalma.com
- Astrotourismus auf La Palma: www.starsislandlapalma.es
- Offizielles Tourismusportal: www.visitlapalma.es
La Gomera
- Fläche: 369 km²
- Hauptstadt: San Sebastián de La Gomera
- Bevölkerung: ca. 21.000
Geschichte
Die Ureinwohner der Insel entwickelten die Pfeifsprache Silbo Gomero. Diese wurde von Generation zu Generation überliefert und ist heute UNESCO-Weltkulturerbe. Christoph Kolumbus legte auf seiner Reise nach Amerika hier einen letzten Zwischenstopp ein.
Natur und Umwelt
Im Zentrum liegt der Nationalpark Garajonay mit uralten Nebelwäldern. Die Insel ist stark zerklüftet mit tiefen Schluchten und steilen Terrassenfeldern.
Besonderheiten
La Gomera ist besonders bei Wanderern beliebt. Die Pfeifsprache wird noch heute gelehrt und gepflegt.
Weiterführende Informationen
- Nationalpark Garajonay: www.reservasparquesnacionales.es
- Informationen zur Pfeifsprache: www.silbogomero.com
- Offizielles Tourismusportal La Gomera: www.lagomera.travel
El Hierro
- Fläche: 269 km²
- Hauptstadt: Valverde
- Bevölkerung: ca. 11.000
Geschichte
El Hierro galt früher als westlichstes Ende der bekannten Welt. Die Insel verfolgt heute ein konsequentes Nachhaltigkeitskonzept und strebt 100 % Versorgung mit erneuerbaren Energien an.
Natur und Umwelt
El Hierro bietet schroffe Küsten, Vulkane, Kiefernwälder und ein artenreiches Meeresschutzgebiet. Die Unterwasserwelt bei La Restinga zählt zu den besten Tauchrevieren Europas.
Besonderheiten
Mit dem Projekt „Gorona del Viento“ hat die Insel internationale Aufmerksamkeit als Energie-Vorbild erhalten.
Weiterführende Informationen
- Nachhaltigkeitsprojekt Gorona del Viento: www.goronadelviento.es
- Offizielles Tourismusportal El Hierro: www.elhierro.travel
- Biosphärenreservat El Hierro: www.elhierrobiosfera.org
La Graciosa
- Fläche: 29 km²
- Hauptort: Caleta del Sebo
- Bevölkerung: ca. 700
Geschichte
La Graciosa wurde 2018 offiziell als achte bewohnte Insel der Kanaren anerkannt. Die Bevölkerung lebt vorwiegend vom Fischfang und Tourismus.
Natur und Umwelt
Die Insel gehört zum Naturpark Archipiélago Chinijo, einem der größten Meeresschutzgebiete Europas. Straßen gibt es nicht – nur Sandpisten.
Besonderheiten
La Graciosa ist autofrei. Besucher bewegen sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Die Insel steht unter strengem Naturschutz.
Weiterführende Informationen
- Marine Schutzgebiet Chinijo-Archipel: www.miteco.gob.es
- Tourismus La Graciosa: www.lagraciosa.com
Kleininseln & Felsen (Chinijo-Archipel, Isla de Lobos)
Wichtige unbewohnte Inseln: Alegranza, Roque del Este, Roque del Oeste, Montaña Clara, Isla de Lobos
Diese Inseln sind unbewohnt und stehen unter strengem Naturschutz. Sie sind wichtige Rückzugsgebiete für Seevögel, Meeresfauna und seltene Pflanzen.
Weiterführende Informationen
- Naturschutz auf den Kleininseln (Regierung der Kanaren): www.gobiernodecanarias.org/medioambiente
- Isla de Lobos – Besuchsregelung & Schutzgebiet: www.reservasparquesnacionales.es